Donnerstag, 7. Mai 2009

So anspruchsvoll wie nasses Popkorn

Wenn der Unterricht sich mal wieder zieht wie ein Kaugummi, dann ist es entweder wegen den donnerstäglichen Stunden bei Ohrbluter-Joe oder es liegt an Einschläfer-Joe. Besonders die pädagogischen Unterrichtsmethoden sind so motivierend wie ein nasser Furtz. Da bleibt einem nur übrig sich mit dem Gafasel einschläfern zu lassen, aktiv zu werden oder das Gefasel auszublenden. Besonderes letzteres erweist sich als schwierig. Doch auch das Aktiv werden ist mit reichlich Hindernissen versät. Wer hat schon lust bei Präsentationen die so adrenaliengeladen sind wie Ritt auf einem stehenden Ackergaul mitzuarbeiten? Ich persönlich nicht! Noch schlimmer ist, dass nach knapp einer halben DIN-A4-Seite erst zwei Minuten vergangen sind. Aber dazu gibt es auch noch eine Steigerung: Der morgige Tag bei Obama-Joe. Auf ironischer Weise ist es immer wieder sehr amüsant festzustellen, dass Obama-Joe jedesmal glaub sein Unterricht hätte einen roten Faden. Blöd nur wenn er nicht erkennbar ist. Aber das ist das besondere System von Obama-Joe das kein Mensch durchblickt. Noch nicht mal er selbst.
Ich stelle mir ernsthaft die Fragen ob es wirklich sinnvoll ist zwischen Themen zu wechseln? Nach dem Motto vom Kartoffelkrieg 1817 suchen wir Parallelen zum Krieg gegen den Terror. Ist es nötig zwischen Deutsch, Latein, Französisch und Englisch zu wechseln? Bringt es mich weiter, wenn mir jede Stunde mindestens zehn, mir völlig unbekannten Leuten um die Ohren geschlagen werden? Nein! Persönlich bringt es mich nicht weiter zu wissen, was Bettelheim über Müller, Müller über Mayer, Mayer über Becker, Becker über Bäcker, Bäcker über Brandt, Brandt über Bäcker, Bäcker über Becker, Becker über Mayer, Mayer über Müller, Müller über Bettelheim und Bäcker über Becker, Mayer, Müller, Brandt und Bettelheim gesagt hat und schließlich deshalb im Heimerziehungs-Literatur-Battle triumphiert. Geschweige denn, was Müller über Becker, Becker über Bäcker und Mayer über Müller denkt. Eins weiß ich nur: Bettelheim, der Ösi, kann nichts mehr über die denken - er ist tot.
Aber was soll's. Dafür werden einem tolle Witze geboten, die im Falle von Florian Silbereisen einen ganzen lustigen Musikantendampfer füllen täten. Blöd an der Sache: Der Dampfer geht nicht unter! Blöd auch: Die Witze werden immer schrecklicher. So auch von Einschläfer-Joe. Hier wäre ein neuer führ ihn: Was ist eine Glatze? Na? Denk. Denk. Denk. Und? FKK auf höchster Ebene.

Da mir kein besserer Übergang einflällt - das Gebabbel erreicht die monotone Konstante des Testbildes - jetzt zu der Präsentation. Ach ja: Wieder erst zwei Minuten rum. Aber zurück: Sie ist mangelhaft. Wir - die Schüler - bekommen immer wieder eingetrichtert wie die Präsentationsregeln für PowerPoint-Präsentationen sind und wie sie gestaltet werden müssen. Im Falle eines Joe's gelten diese, so sehe ich es momentan vor mir, nicht mehr. Scheiß drauf, wenn die Schriftgröße nur 16pt ist, die Sätze ausformuliert sind und vieles mehr. Scheiße ist nur: Wenn das die Präsentation eines Schülers wär, wären wir wieder am montäglichen Punkt und der Demotivationskatastrophe, die über uns hineinbricht.

Was mich persönlich umso mehr verwundert, dass es vor allem Einschläfer-Joe nicht auffällt, dass Laura sich die Fingernägel feilt, ich schreibe und schon auf der Häfte der zweiten Seite angekommen bin, der Pirat einäugig einen Text anpeilt der mal wieder so was zum Unterricht passt wie die Bänderzerrung in ihre Krankenakte bzw. Krankenschrank, Claudia ihre Zertifizierungsarbeit zu ende schreibt, Daniela sich mit Dominik unterhält, Steffi im Emma-Buch rumschreibt, und der Rest der Klasse zwischen Autogenem Training und Tiefschlafphase hängt. Wenn Vincent heute da wäre, wäre er jetzt definitiv schon in der zweiten REM-Phase. Aber was soll's, den Unterricht kann man halt nicht spannender gestalten, so die sich konstant wiederholende Ansprache von Einschläfer-Joe. Was soll's, wenn es mal vorkommt und Beter-Joe die Spannungshürde überwindet und LM 12 endlich mal zum richtigen Kracher wird.

Was ich fordere? Ganz einfach: Definitiv ansprechenderen, spannenderen und aktiveren Unterricht als er momentan vor mir visuell und leider auch auditiv im Mono-Kanal-Ton abläuft. Damit ist selbstverständlich verbunden, dass die Joe's reden können und mit reden ist nicht gemeint, wie aus dem Nähkästschen labern und sich endlich mal was neues außer Frontalunterricht oder japadapadu Gruppenarbeit einfallen lassen. Ach ja: Einzelarbeit wie bei Gefühlslegasteniker-Joe ist genauso scheiße. Lasst euch mal was einfallen! Und denkt daran liebe Joe's: Aus dem Stück nassen Popkorn kann ein trockenes und ansehnliches Stück Popkorn werden. Vielleicht auch nur ein positiv ertragbares trockenes Stück Popkorn. Aber das wäre bei so manchem auch eine Steigerung um 500%.

Ich habe fertig.
CvD

PS: Nur noch 15 Minuten bis Beter-Joe. Mal sehen was das heute wird.